DTB KT Nr. 07/08 2015

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Veranstaltung mit großer Nachfrage

Wie aktuell und brisant das Thema CSR und Nachhaltigkeit in der Textil- und Bekleidungsbranche ist, zeigte die Gemeinschaftsveranstaltung des DTB und VTB am 10. Februar 2015 mit insgesamt 150 teilnehmenden Gästen.

Der Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller unterhielt als Keynote Speaker. Nach einer kurzen (und durchaus amüsanten) Begrüßung stellte der Minister sein Textilbündnis vor. Durch klare Aussagen wie: „Das BMZ möchte einen Prozess einleiten, der dann gemeinsam weiterentwickelt werden soll“, versuchte er kritischen Stimmen aus dem Publikum vorzugreifen. Er betonte, dass es in seinem Sinne sei „gemeinsam, und nicht gegeneinander“ zu arbeiten. Er möchte einen Produktstandard erarbeiten der für den Verbraucher / Konsumenten Transparenz schafft.

Aus der Siegel-Idee „grüner Knopf“ heraus kann man sich ebenso auch ein QR-Code auf dem Etikett vorstellen das über die Herkunft informiert und mit einer „Ampelfunktion“ (wie die Gastro-Ampel) über die Ökologie Auskunft erteilt. Seiner Meinung nach erfüllen bereits viele (90 %) der Unternehmen in Deutschland einen hohen Standard. Sein Ziel ist es, nicht den höchsten Standard für alle festzulegen. Dieser herausgestellte Premiumstatus, der nur für einige Unternehmen die Messlatte ist (ca.1 % der Unternehmen bzw. des Marktvolumens) ist nicht Vorgabe für alle am Markt agierenden Händler und Unternehmen. Es müsse aber möglich sein Premium bzw. Trendsetter hervorzuheben. Wichtig: Parallel möchte er einen breiten Standard für die Branche. Die Ziele sollen ambitioniert und ehrgeizig, aber sie sollen möglich und praktikabel sein. Selbstverständlich ist für ihn, dass der Beitritt oder auch die Verweigerung zum „Textilbündnis“ nicht ganz ohne Folgen sein wird. Er wies darauf hin, dass er dafür einstehe Qualitätsanbieter zu stärken und diese über ein Internetportal zu bewerben. Im Gegenzug ist dann auch vorstellbar, dass auf Problemanbieter hingewiesen wird. Unterm Strich biete der Beitritt zum Textilbündnis ein gewisses „Schutz-schild“, da beigetretene Unternehmen die Bereitschaft erklären einen Veränderungsprozess zu beginnen.

In der anschließenden „Frage-Ant-wort-Runde“ mit Vertretern des BMZ sowie der GIZ beantworteten Herr Schukat (GIZ) und Herr Beger (BMZ) die Fragen der Gäste. (Auszug...)

1. Die Entwicklung der Aktivitäten um CSR und Nachhaltigkeit: Das Thema Nachhaltigkeit hat durch die Aktivität „Textilbündnis“ an Inter-nationalität gewonnen und wird im Europaparlament, sowie auf dem G7 Gipfel diskutiert. Die Nach-haltigkeitspolitik ist fester Bestandteil der Regierungsarbeit. „Die Märkte von morgen haben viele Gesichter. Wir fördern ihr nachhaltiges Engagement“ www.developpp.de

2. Verpflichtung und Rechtssicherheit bei Teilnahme am Textilbündnis: Das Thema „Living Wage“ und das Thema „kritischer Chemikalien“ ist nach wie vor Ergebnisoffen. Es gibt auch nach diesem Infotag diesbezüglich keine schriftliche Klärung. Aber: Es gibt einen Dialog, es gibt Gespräche und alle Beteiligten signalisieren weitere Gesprächsbereitschaft.

3. Prozessentwicklung: Das BMZ zeigte an Hand von Beispielen auf, wie in anderen Bereichen der Prozess einer Veränderung - eines Changemanagements – erarbeitet wurde. ( Bsp.: Kakao ) Für diese Prozesse müsse die Arbeit aber erst einmal starten, um die Inhalte dann gemeinsam zu gestalten. Erst im Laufe der Arbeit, im Rahmen des Zusammenspiels der Akteure und der Abwägung von Interessen und praktikablen Möglichkeiten, sowie unter Berücksichtigung zukünftiger Entwicklungen könne man einen neuen Weg gestalten. „Wer sich nicht auf den Weg macht – kommt auch nicht an“. Die Kritiker halten dagegen, dass man ohne ein Ziel den Weg weder planen, noch kalkulieren kann - und fordern eindeutige Ziele, mehr Transparenz und definierte Meilensteine.

Über Rechtsfragen referierte die Kanzlei GÖRG: In diesem Vortrag beleuchteten die Anwälte Dr. Christian Schröder und Dr. Nora Schroeder (GÖRG Rechtsanwälte) die juristischen Gesichtspunkte und gingen dabei auf die Haftungsrisiken und Lieferverträge ein. An erster Stelle stehe für sie jedoch zuerst die Wahl der Rechtsform des Textilbündnisses. Eine Festlegung bzw. Empfehlung wurde nicht ausgesprochen.

Im Vorfeld zum Infotag wurde mit Hr. Heimann (HessNatur) ein mögliches Schulungskonzept „Nachhaltigkeit“ erarbeitet. Dieses wurde von Hr. Heimann vorgestellt. Hr. Heimann ist in der Gründungsphase einer unabhängigen Stiftung die sich für Nachhaltigkeit engagiert. In einem mitreißenden und motivierenden Vortrag ist es Herrn Heimann gelungen die Vorurteile gegen ein „Latzhosen-Nachhaltigkeits-Image“ abzubauen. Mit der Feststellung, dass sich gesellschaftspolitisch das ThemaNachhaltigkeit etabliert und sich im Konsumverhalten der Endverbraucher Dinge gewandelt haben ergibt sich für Unternehmen jetzt die Notwendigkeit ihre Position im Rahmen der Nachhaltigkeit zu ergründen, zu bestimmen.

Hier möchte der DTB zukünftig Hilfestellung bieten. Der DTB wird seine Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit justieren und bündeln. Zielsetzung ist eine Zusammenarbeit mit der Stiftung und der zentralen Fragestellung: „Wie können (DTB) Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen?“ Analyse, Konzeption, Möglichkeiten und Wege.

Weitere Themen der Veranstaltung/Praxisbeispiele: Marko Kiisa, CEO von Aus Design, der als Highlight der Ethical Fashion Show ausgezeichnet wurde, führt gemeinsam mit dem Designer Reet ein Unternehmen, das
„Upcycling“ betreibt. Sie kaufen Produktionsreste der Unternehmen auf, um daraus eine neue Kleidung zu entwerfen.

Marko Kiisa präsentierte nicht nur seine Stücke, sondern er zeigte anhand von Zahlen auf wie viel Energie und Wasser eingespart werden kann. Als Beispiel zeigte er ein Kleid, bei dem folgende Werte wie 90 % Energie, 82 % Wasser und 84 % CO2-Ausstoß eingespart werden konnten.

Supplier & Audit Management – Werkzeug für die Überprüfung von Aktivitäten im Rahmen von Sozialstandards in der Textil- und Bekleidungsindustrie“: An diesem Infotag wurde von Herrn G. Brackelsberg ein Modul der OSCA Software von der Firma Setlog Witten/NewYork vorgestellt. Im Rahmen des Vendormanagement lassen sich alle erforderlichen Daten bzgl. einzuhaltender Sozialstandards wechselseitig pflegen, prüfen und managen. Eine moderne Applikation mit allem Komfort einer browserbasierten Anwendung. Ein System. Hunderte Tätigkeiten münden in transparenten Abläufen und ermöglichen ein Prozessmanagement bei komplexen Lieferketten, einer Vielzahl von Partnern und Aktivitäten, sowie einer umfangreichen Kollektion.

Leitfaden „Einhaltung von Sozialstandards in der Textil- und Bekleidungsindustrie“: Diese Infover-anstaltung wurde von Herrn H.P. Werminghaus moderiert und zielsicher auf den Punkt abgeschlossen. Der beworbene Leitfaden „Einhaltung von Sozialstandards in der Textil- und Bekleidungsindustrie“ untermauert den angestoßenen Veränderungsprozess für Nach-haltigkeit und bietet dem Leser einen tiefen sachkundigen Einblick in den angesprochenenThemen und wertvolle, aktuelle weiterführende „links“ und Informationen.

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