Modtissimo - im Dialog



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Es ist ein Privileg eine Messe bis zu ihrem fünfzigsten Geburstag begleiten zu dürfen, zu sehen wie sie sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wie sie fit für die Zukunft wird – Modtissimo quo vadis?
Die 49zigste fand zum zweiten Mal auf dem Gelände des Flughafens Francisco Sá Carneio in Oporto statt. Organisation und Ablauf wie gewohnt aus der Hand von Manuel Serrão hervorragend.
Schon während der Munich Fabric Start gingen wir mit Portugal auf Tuchfühlung da wir den Gewinner des Innovationspreises, die Firma TINTEX auf ihrem Stand in der Halle 3 des MOC’s besuchen konnten.
Ergo eröffnen wir den Dialog zur Modtissimo mit dem Geschäftsführer von TINTEX:

KLAR-TEXT: 1998 gegründet ist Ihre Fima sehr jung, wie ist sie aufgestellt? Als Familienunternehmen wie wir das in Portugal noch oft finden, oder als eine andere Gesellschaftsform?

Mário Jorge Silva: TINTEX wurde 1998 gegründet mit dem Ziel sich von bereits existierenden Textilunternehmen deutlich zu unterscheiden. Zu Beginn war sie eine Färberei und Textilveredlung, die im Lohn für andere Unternehmen gearbeitet hat. Nach einigen Jahren haben wir unser Geschäftsmodell verändert und eine eigene Kollektion entwickelt mit innovativen und auch nachhaltigen Artikeln.


KLAR-TEXT: Ist TINTEX vertikal, soll heissen, vollstufig aufgestellt?

Mário Jorge Silva: TINTEX hat durch die Änderung seines Geschäftsmodells auch Vorstufen des textilen Herstellungprozesses integriert. Heutzutage präsentieren wir innovative Lösungen mit einer Produktpalette, bei der alle Vorstufen des textilen Endproduktes angefangen bei der Rohware bis zum fertig gefärbten, ausgerüsteten Produkt von uns kontrolliert werden.

KLAR-TEXT: Maschinenpark, Beschäftigte, Umsatz etc. von welcher Grössenordnung sprechen wir?

Mário Jorge Silva: In den vergangenen 2 Jahren hat TINTEX mehr als 5 Millionen Euro in neue Maschinen und Ausrüstung investiert, vor allem in Färbemaschinen der neuen Generation, einer Merzerisierungsanlage, die es uns ermöglicht der Ware einen wunderbaren Glanz und Griff zu verleihen und einer Coating-Anlage, die einzige Anlage dieser Art in Europa, mit der wir in der Lage sind komplett neuartige Produkte zu entwickeln. Wie Sie gesehen haben, waren wir bei dem Award in München mit einer dieser neuartigen Textilien erfolgreich. In 2016 haben wir einen Umsatz von über 10 Millionen Euro erzielt und um diesen weiter ausbauen zu können, haben wir in unsere Mitarbeiter investiert. Im Moment beschäftigt TINTEX 120 Mitarbeiter.

KLAR-TEXT: Wie setzt sich die Produktrange zusammen, Spezialitäten, Materialien?

Mário Jorge Silva: TINTEX ist heute ein Anbieter im Bereich der Nachhaltigkeit und von innovativen Produkten im Textilbereich. Wir bieten eine Produktrange in Naturfasern, besonders Baumwolle, Leinen und Wolle, aber natürlich auch ganz stark in Lyocell-Waren. Unsere Artikel zeichnen sich durch hohe Qualität, Farbbrillianz und natürlichen Griff aus. Aus diesem Grund sind wir ein Anbieter, der die hohen Qualitätsanforderungen namhafter Bekleidungsunternehmen erfüllen kann und erfüllt, was die Zusammenarbeit mit Branchengrössen beweist.

KLAR-TEXT: Wie hoch ist die Exportquote und die wichtigsten Länder?

Mário Jorge Silva: Unsere Exportquote ist relativ niedrig, sie liegt bei ca. 10%, obwohl die aus unseren Produkten gefertigten Endprodukte in ganz Europa angeboten werden. Die Textilindustrie in Portugal bietet von der Herstellung der Textilien bis zur Herstellung der fertigen Bekleidung eine hervorragende Qualität, was bedeutet, dass unsere Ware hier in Portugal weiter zum fertigen Bekleidungsstück konfektioniert wird. Namhafte Bekleidungsmarken investieren intensiv in unserem Land, um von dieser Qualtität zu profitieren. Aus diesem Grund sind viele unserer direkten Kunden portugiesische Konfektionsbetriebe.

KLAR-TEXT: Welcher Innovation verdanken Sie den Award der Munich Fabric Start?

Mário Jorge Silva: Wir sind sehr stolz den High Tex Award gewonnen zu haben. Diese Innovation ist ein Resultat intensiver Entwicklung neuer Herstellungsmethoden, in diesem speziellen Fall im Bereich der beschichteten Jerseywaren, dem Coating. Es ist ein öko-nachhaltiger Artikel bestehend aus einer Beschichtung eines natürlichen Substrats auf einem Jersey aus Baumwolle/Lyocell. Diese Kombination erzeugt ein wasserabweisendes , atmungsaktives Produkt. Die PU-Beschichtung besteht aus Kork, welcher bei der Korkenherstellung als Abfall anfällt.

KLAR-TEXT: War Ihr Unternehmen zum ersten Mal auf dieser Messe in München vertreten?

Mário Jorge Silva: Nein, diese Messebeteiligung war bereits die Achte.

KLAR-TEXT: Wie waren Sie mit der Organisation, dem Ambiente und der Besucherfrequenz zufrieden?

Mário Jorge Silva: Wir waren sehr zufrieden, es war eine angenehme Arbeitsatmosphäre mit vielen Besuchern und sehr interessanten Geschäftskontakten. Natürlich haben wir uns besonders über den Gewinn des Hightex Awards gefreut!

KLAR-TEXT: Welche Messen sind für TINTEX neben München noch wichtig?

Mário Jorge Silva: Wir sind auf einigen anderen wichtigen Messen vertreten, wie der Première Vision, ISPO, TECHTEXTIL, Performance Days, Interfilière, Modtíssimo, London Textile Fair und der JITAC.

KLAR-TEXT: Wird es im Herbst ein Wiedersehen im MOC geben?

Mário Jorge Silva: Ganz bestimmt! Wir werden wieder vertreten sein, um Ihnen unsere neuen Produkte vorstellen zu können.

KLAR-TEXT: Wir danken für das informative Gespräch
Mário Jorge Silva: Wir danken auch!

Ein interessantes Gespräch hatten wir daraufhin mit Toni Seifert
dem Business Development Manager von New Wave:

KLAR-TEXT: New Wave ist, wie New schon sagt, ein junges Unternehmen, spezialisiert auf Wassersport mit Sitz in Berlin, konkret heisst das?

Toni Seifert: Na ja, junges Unternehmen ist relativ, da wir nächste Woche 25jähriges Bestehen feiern. Neu ist dass der Firmensitz mit angelehnter Produktion sich nun seit 2 Jahren im Gewerbegebiet Berlin-Spandau befindet. Hier werden alle, speziell für den Rudersport entwickelten Funktionsbekleidungen, produziert. Der Rudersport ist eine Outdoor-Sportart und wird regelmässig auf dem Wasser betrieben. Der Ruderer ist somit täglich den Witterungen ausgesetzt und unser Ziel ist es ihm hierfür die perfekte Sportbekleidung zu stellen. Das Motto lautet „ES GIBT KEIN SCHLECHTES WETTER; SONDERN NUR SCHLECHTE BEKLEIDUNG“. Desweiteren achten wir stark darauf dass wir fair produzieren und unsere Stoffe ausschliesslich aus dem europäischen Raum kommen.

KLAR-TEXT: Die Reise nach Oporto zur Modtissimo war sicherlich sehr schön, aber hat sie auch geschäftlich Ihre Erwartungen erfüllt?

Toni Seifert: Für mich war es das erste Mal, dass ich eine geschäftliche Reise nach Portugal angetreten bin und somit hatte ich auch keine besonderen Erwartungen an diese Messe. Als ich dann die ersten Gespräche hinter mir hatte, war ich sehr positiv eingestimmt. Meine Ziele habe ich erreichen können und werde nun sehen, welche wir davon umsetzen können bzw. mit wem wir zusammen arbeiten werden.

KLAR-TEXT: Welchen Eindruck hat die wirtschaftliche Kompetenz der portugiesischen Textil- und Bekleidungsindustrie hinterlassen?

Toni Seifert: Diese Frage geht natürlich jetzt sehr in`s Detail, da ich abwarten muss, wie die Zusammenarbeit funktionieren wird. Wenn ich aber meinen ersten Eindruck bewerte, bin ich davon überzeugt, dass ich es auf jeden Fall mit Profis zu tun hatte. Es wurde regelmässig auf meine Wünsche eingegangen und auch direkt zusammen an Lösungen gearbeitet.

KLAR-TEXT: Wie beschreibt man, kurz und bündig, die Mentalität der Portugiesen?

Toni Seifert: -freundlich – interessiert – engagiert.

KLAR-TEXT: Werden die Modtissimo und New Wave zusammen eine Zukunft haben?

Toni Seifert: Das hoffe ich sehr! Ich möchte gerne in der Zukunft auch mit der portugiesischen Textilindustrie zusammenarbeiten. Die Modtissimo bietet hierfür eine optimale Plattform ,um dieses Thema weiter ausbauen zu können.

KLAR-TEXT: Wir bedanken uns für das Gespräch

Toni Seifert: Immer wieder gerne!

Da Nachhaltigkeit und Ökologie zurzeit und hoffentlich auch in Zukunft ganz oben auf der Agenda der Textil- und Bekleidungsindustrie stehen, war uns Evelyn Gerlich, unterwegs für hessnatur, eine willkommene Interviewpartnerin.

KLAR-TEXT: Waren Sie das erste Mal auf der Modtissimo, in Oporto, in Portugal?

Evelyn Gerlich: Portugal ist auf jeden Fall immer eine Reise wert. Auf der Modtissimo haben wir uns zum ersten Mal umgeschaut.

KLAR-TEXT: Existieren schon Geschäftsbeziehungen mit diesem Land?

Evelyn Gerlich: hessnatur arbeitet schon seit vielen Jahren mit einigen Lieferanten in Portugal zusammen. Schwerpunkte liegen bei den Heimtextilien, sowie bei DOB und HAKA.

KLAR-TEXT: Wie erlebten Sie die Menschen, das Engagement, die Professionalität?

Evelyn Gerlich: Die Aussteller waren sehr daran interessiert, ihre Produkte zu zeigen und zu erklären.

KLAR-TEXT: Wie fanden Sie die Modtissimo aufgestellt, organisiert und ausgerichtet?

Evelyn Gerlich: Auch wenn der Standort direkt am Flughafen im ersten Moment überrascht, ist die zentrale Lage ein Pluspunkt. Die Halle war dadurch lichtdurchflutet, hell und freundlich und hebt sich damit angenehm von anderen Messen ab. Alles wirkte klar strukturiert. Dank mehrerer Anlaufpunkte und freundlicher Servicekräfte waren Fragen schnell geklärt und Informationen eingeholt.

KLAR-TEXT: Da sie ja für hessnatur unterwegs sind, steht naturgemäss Nachhaltigkeit auf Ihrer Agenda ganz oben. Welchen Stellenwert hat sie in der portugiesischen Textil- und Bekleidungsindustrie?

Evelyn Gerlich: hessnatur hat gerade in jüngster Zeit intensiv an der modischen Ausrichtung der Kollektion gearbeitet. Auch nachhaltige Mode muss spontan begeistern, das ist für hessnatur vordringliche Maxime. Wenn dann das gute Gefühl dazu kommt, dass nach strengen sozialen und ökologischen Richtlinien produziert wird, löst hessnatur den Slow Fashion Anspruch ein. Ein pauschales Urteil über Nachhaltigkeit in der Textil- und Bekleidungsindustrie Portugals steht uns nicht zu.

KLAR-TEXT: Haben Sie gefunden, was Sie gesucht haben? Wird es weiterhin Kontakte geben?

Evelyn Gerlich: Es war äußerst spannend mit einigen Lieferanten zu sprechen und Kontakte zu knüpfen. Wir werden an die Gespräche anknüpfen und ausloten, ob sich daraus nachhaltige Geschäftsbeziehungen entwickeln lassen.
KLAR-TEXT:Wir danken für das Gespräch.

Die Welt der Kindermoden soll nicht unerwähnt bleiben, die zum ersten Mal in die Messe integriert war. Mit neunzehn Ausstellern war die Minni-Mi ein Anfang, man wird sehen wie sich dieses Angebot entwickelt.

Vom Zwischenmeister zur eigenen Marke, das hat sich José Carlos Castanheira auf die Fahnen geheftet. Für das Label GOUCAM erstellt der Designer Vitor Rego zwei Kollektionen pro Jahr für DOB und HAKA, wobei die HAKA lediglich fünf Prozent zum Umsatz beiträgt.
Mit vier Fertigungstätten arbeitet das Unternehmen nach wie vor zu 99% als Zwischenmeister, hauptsächlich für französische Auftraggeber. Es wurde 1978 gegründet und die Exportquote beträgt 95%, vornehmlich nach Spanien, Dänemark, Holland und die USA.
Die Kollektionen bewegen sich im mittleren Genre. Mit einem Jahresumsatz von 15 Mio Euro ist der CEO durchaus zufrieden und hat dabei in den vergangenen vier Jahren vier Millionen Euro in die Modernisierung der Betriebe investiert.

Zur Abrundung unseres Messebesuches hören wir noch einen aufschlussreichen Vortrag über die portugiesische Textil- und Bekleidungsindustrie von Paulo Vaz, dem General Direktor von ATP (Associação Têxtil e Vestuário de Portugal) Die Headline zum Vortrag: „2016 a year of gold for the Textile Industry.“
In diesem positiven Sinne schliesst sich der Kreis um die Modtissimo in Oporto.
Eugen Rapp



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